Haftung der Architektenkammer: Prüfungspflicht der Berufshaftpflichtversicherung

In einem wegweisenden Urteil vom 13. Juni 2025 (Nr. C.23.0423.N) hat der belgische Kassationshof die Haftung der Architektenkammer gegenüber Bauherren bestätigt.

Der Sachverhalt:

Ein Bauherr beauftragte einen Architekten für ein Renovierungsprojekt. Es stellte sich später heraus, dass der Architekt zum Zeitpunkt der Vertragsschließung nicht haftpflichtversichert war. Die Architektenkammer hatte jedoch das Visum für den Bauantrag erteilt, ohne den Versicherungsstatus des Architekten zu prüfen.

Das Urteil:

Der Kassationshof wies den Rekurs der Architektenkammer ab. Das Gericht stellte klar, dass die Kammer verpflichtet ist, vor der Erteilung eines Visums für eine städtebauliche Genehmigung zu prüfen, ob der Architekt seiner gesetzlichen Versicherungspflicht nachkommt. Das Visum dient als Garantie dafür, dass der Architekt zur Ausübung seines Berufs berechtigt ist – was den Nachweis einer gültigen Versicherung zwingend einschließt.

Bedeutung für die Praxis:

Dieses Urteil stärkt den Schutz von Bauherren erheblich. Es unterstreicht die Sorgfaltspflicht berufsständischer Körperschaften. Wenn die Kammer ihrer Aufsichtspflicht fahrlässig nicht nachkommt, kann sie für daraus resultierende Schäden (z. B. bei Insolvenz eines unversicherten Architekten) haftbar gemacht werden.

Richtige Schlüssel können falsche Schlüssel sein…

Es ist verboten sich Zugang zum Eigentum eines Anderen zu verschaffen, wenn dieser damit nicht einverstanden ist. Genauso darf man sich nicht zu einem Mietobjekt, das man nicht selber mietet,Zugang verschaffen.

Der Zugang ist verboten, ob er nun durch Einbruch oder durch falsche Schlüssel geschieht. 

Laut Kassationshof ist ein Schlüssel auch dann falsch im Sinne des eben genannten Straftatbestandes, wenn der richtige Schlüssel durch den Eigentümer oder den Mieter an die Person, die die Straftat begeht, freiwillig zur Verfügung gestellt wurde, diese Person jedoch ohne Einwilligung der Person, die den Schlüssel zur Verfügung gestellt hat, in die Wohnung gekommen ist

(Kass. 28/11/2023, P.23.1099.N)

 

Öffentliche Arbeitgeber können vom Haftenden den Lohn zurückfordern, den sie zahlen mussten, ohne eine Arbeitsleistung zu erhalten.

Wenn ein öffentlicher Arbeitgeber, wie eine Gemeinde, ein Parlament oder die Europäische Union auf die Arbeitskraft eines Mitarbeiters verzichten muss, weil dieser Arbeitsunfähig durch die Schuld einer anderen Person verursacht wurde, dann kann dieser öffentliche Arbeitgeber, wenn er während dieser Periode den Lohn weiterzahlen muss, diesen vom Schadensverursacher zurückfordern.

2 Bedingungen sind hierfür notwendig: 

- Es muss sich um einen entgangenen Lohn oder eine Last handeln, die mit dem Lohn verbunden ist; 

- Es muss aus den Bestimmungen ergehen, dass diese Zahlung nicht definitiv zu Lasten des öffentlichen Arbeitgebers bleiben sollte. 

Am 20. April 2023 hat der Kassationshof entschieden, dass der öffentliche Arbeitgeber nicht das Geld zurückfordern darf, dass er zahlen muss, wenn er den Arbeitnehmer aus Arbeitsunfähigkeitsgründen definitiv verrentet. (Kass. 20/04/2023, C.18.0554.F) 

 

Breynegesetz: Die Feststellungen eines Gerichtsexperten sind keine provisorische Abnahme.

Die Breynegesetzgebung verbindet die provisorische Abnahme mit verschiedenen Rechtswirkungen. 

So kann der Käufer oder der Bauherr die Nichtigkeit des Vertrags nach der provisorischen Abnahme nicht mehr verlangen. 

Als provisorische Abnahme gilt nur ein geschriebenes und kontradiktorisches Dokument, welches von den Parteien stammt. 

Es gibt jedoch 2 Ausnahmen, nämlich, wenn der Käufer oder der Bauherr die Immobilie bewohnt, oder wenn die eben genannten Parteien eine Aufforderung des Unternehmers oder des Verkäufers zur provisorischen Abnahme zu schreiten, unbeantwortet lassen. 

Der Brüsseler Appellationshof war mit der Frage befasst, ob der Bericht eines Sachverständigen, der durch ein Gericht bezeichnet wurde und die Unfertigkeiten, sowie Mängel aufführen sollte, als provisorische Abnahme gelten kann. 

Für das Brüsseler Gericht reichte ein solches Gutachten aus. 

Der Kassationshof hat diese Entscheidung gekippt. 

Der Kassationshof ist der Ansicht, dass ein solcher Bericht nur als provisorische Abnahme gelten kann, wenn der Bauherr oder der Käufer den Willen hatte, zur Abnahme zu schreiten. (Kass., 6/04/2023, C.22.354.F/4).  

 

Feuer im Mietobjekt: Fehlende Feuermelder VERSUS, brennende Zigarette

 

In einem Mietobjekt ist der Mieter auf dem Sofa mit der Zigarette in der Hand eingeschlafen.

 

Das Mietobjekt fängt Feuer und der Mieter wird schwer verletzt.

 

Der vermietende Eigentümer war der Ansicht, dass die Verantwortung für das Feuer dem Mieter überlassen werden muss, weil er nicht beweisen konnte, dass das Feuer ohne seinen Fehler zustande gekommen ist.

 

Der Mieter stellte jedoch Ansprüche gegen den Vermieter, weil dieser keine Rauchmelder in der Wohnung angebracht hat.

 

Das Gericht entschied, dass sowohl der Vermieter als auch der Mieter einen Fehler begangen haben, dass jedoch, aufgrund der Schwere der Fehler ¼ des Schadens durch den Vermieter zu decken ist (fehlende Rauchmelder) und ¾ des Schadens durch den Mieter (brennende Zigarette / eingeschlafen).

 

Der Kassationshof hat dieses Urteil annulliert. 

 

Der Richter durfte zwar sowohl den Eigentümer als auch den Mieter für den Schaden haftbar machen.  Er durfte das Ausmaß des Schadens jedoch nicht von der Schwere des Fehlers abhängig machen.  Er musste konkret prüfen, welcher Fehler, ungeachtet, wie schwer er war, in welchem Maße zum Schaden beigetragen hat (Kass., 1/12/2022, C.22.0139.F). 

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